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Themenbereiche der Ausstellung

Köln zur Zeit Offenbachs

Zeit und Umfeld  des jungen Jakob Offenbach

Offenbach - Ne kölsche Jung

Der junge Jakob und seine erste musikalische Prägung

Von Jakob zu Jacques

Der Weg zum Grandseigneur der Pariser Musikszene

Die Kölner Rezeption Offenbachs

Kölner Wahrnehmung: Das Bild Offenbachs in seiner Geburtsstadt

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Herzlich Willkommen zur Online Ausstellung des Historischen Archivs der Stadt Köln

Es gibt nur wenige Kölner, deren Geburtstage in der Domstadt so umfangreich und frenetisch gefeiert wurden, wie der von Jakob „Jacques“ Offenbach. Ganz Köln ist im Jahr 2019 in Feierlaune, und auch das Historische Archiv jubelt zum 200. Geburtstag des Komponisten mit. Schließlich ist das Archiv wie keine andere Institution in Köln mit Offenbach verbunden, beherbergt es doch eine einzigartige Sammlung von originalen Notenmanuskripten, Briefen, Skizzen und zahlreichen weiteren Unterlagen von und über Jacques Offenbach.

Als Geburtstagsgeschenk präsentiert das Kölner Stadtarchiv daher die Ausstellung „Von Jakob zu Jacques – Der Kölner Offenbach“, in der viele, zum Teil unveröffentlichte Archivalien gezeigt werden. Die Ausstellung nimmt dabei eine ungewöhnliche Perspektive ein: Nicht das Werk und die Leistungen Offenbachs als Musiker stehen im Mittelpunkt, sondern der Mensch in seinen Beziehungen zu seiner Heimatstadt, und umgekehrt das Bild der Heimatstadt von dem Menschen und Musiker Offenbach – bis hin zu seiner Ehrung im großen Offenbach-Jahr 2019.

Diesem wechselseitigen Beziehungsgeflecht nähert sich die Ausstellung in vier Themenbereichen an. Zunächst werden die allgemeinen historischen Umstände in Köln skizziert, in die der Jude Jakob Offenbach hineingeboren wurde. In den darauf folgenden zwei Themenbereichen wird der Weg Offenbachs von seiner Kölner Kindheit über seinen Gang nach Paris und seinen zahlreichen Besuchen in Köln bis hin zu seinen letzten Gedanken an seine Heimat nachgezeichnet. Das abschließende Kapitel widmet sich der Frage, wie der Cellovirtuose und Bühnenmaestro nach seinem Tod von der Stadt Köln und ihren Bürgerinnen und Bürgern wahrgenommen und vereinnahmt wurde.

Diese Ausstellung wird hier zunächst in digitaler Form veröffentlicht. Vom 24. Oktober 2019 bis zum 5. April 2020 wird sie dann auch in analoger Form in der Herz Jesu Kirche am Zülpicher Platz in Köln zu sehen sein.

Wir wünschen Ihnen beim Besuch unserer Ausstellung viel Vergnügen!

Sehr geehrte Besucherinnen und Besucher dieser Online-Ausstellung,

Jacques Offenbach: Diesen Namen verbinden wir heute mit musikalischem Vergnügen, insbesondere Operetten, doch lohnt sich auch ein tiefergehender Blick, der die Lebensgeschichte eines Menschen enthüllt, die von einem Gegensatz geprägt war. Dem Gegensatz zwischen Offenbachs Kölner Wurzeln, denen des „kölschen Köbesche“, wie er von einem Zeitgenossen genannt wurde, auf der einen und seiner Zeit als Grandseigneur der Pariser Musikszene auf der anderen Seite.

Sein Verhältnis zu seiner Vaterstadt blieb zeitlebens ein schwieriges, von vielen Missverständnissen geprägtes; der Künstler fühlte sich in seiner alten Heimat nicht anerkannt, ja bat sogar aus Verbitterung seinen Verleger, die Oper „Orpheus in der Unterwelt“ ausdrücklich nicht nach Köln zu geben. Dennoch spielte die Domstadt eine entscheidende Rolle für Offenbachs späteren musikalischen Siegeszug. In Köln kam der Komponist erstmals mit dem Violoncello in Berührung, hier glückten ihm bereits im Kindesalter die ersten kleineren Kompositionen. In Köln wurde der Künstler nicht zuletzt auch durch den Karneval nachhaltig geprägt.

Das Offenbach-Jahr 2019 war bereits Anlass zu einer Reihe erfolgreicher Veranstaltungen. Besonders hervorheben möchte ich die Anstrengungen der Offenbach-Gesellschaft, die mit viel persönlichem Engagement den großen Sohn der Stadt in aller Munde gebracht haben. Auch das Historische Archiv beteiligt sich mit einer eigenen Ausstellung „Von Jakob zu Jacques – Der Kölner Offenbach“ und einem Begleitprogramm an dem Gedenkjahr. Unsere Online-Ausstellung kann als Teil unserer Schau in der Kirche Herz Jesu in Köln (24.10.2019 – 05.04.2020) begriffen werden, die einen Eindruck von der Person Offenbachs und seiner Sammlung im Historischen Archiv vermitteln soll. Die Ausstellung skizziert anhand zahlreicher Dokumente aus dem Bestand 1136 das besondere Verhältnis Jacques Offenbachs zu seiner Geburtsstadt und umgekehrt.

Was ist nun zu sehen, wenn wir uns als Archiv dem Thema Jacques Offenbach widmen? Das Historische Archiv verfügt über eine der weltweit größten Sammlungen an Schriftstücken Jacques Offenbachs, darunter Autographen wie etwa Briefe, aber auch Notenskizzen, die die Arbeitsweise des Komponisten nachvollziehen lassen. Der Grundstock hierzu wurde bereits in den 1950er-Jahren gelegt, als die Sammlung Dr. Hans Kristeller in das Historische Archiv kam. Seitdem wurde sie kontinuierlich erweitert, zuletzt in größerem Umfang 1989, als die Sammlung Antonio de Almeida übernommen werden konnte, die vor allem eine große Anzahl von Partiturskizzen enthält. Von besonderer Bedeutung sind hier Fragmente nie aufgeführter Stücke, die auch für die Forschung von höchstem Interesse sind.

Die Online-Ausstellung bietet die Möglichkeit, einen Teil dieser Dokumente in Augenschein zu nehmen, ohne auf restauratorische oder konservatorische Einschränkungen Rücksicht nehmen zu müssen. Ihnen werden zum Teil vollständig transkribierte Originaltexte Offenbachs präsentiert, damit Sie sich einen Einblick in das Leben und das Werk des großen Komponisten verschaffen können.

Ich wünsche Ihnen einen erkenntnisreichen Besuch unserer Ausstellungen!

Bettina Schmidt-Czaia

Liebe Besucherinnen und Besucher,

der Bestand Jacques Offenbach gehört zu den weltweit umfangreichsten, frei zugänglichen Sammlungen zu Leben und Werk des Kölner Komponisten. Darunter befinden sich hunderte handgeschriebene Briefe, hunderte Seiten eigenhändiger Noten, zahlreiche zeitgenössische Bilder und Karikaturen, Notendrucke und Sekundärliteratur, Theaterzettel- und Programme u.v.m. Der Einsturz des Historischen Archivs im Jahr 2009 hat die Benutzung der Sammlung sowie aller anderer Bestände des Historischen Archivs zunächst stark eingeschränkt. Es war nicht klar, was mit der Sammlung geschehen ist. Anfängliche Befürchtungen, die Sammlung könnte gänzlich verloren sein, verfestigten sich rasch als scheinbare Tatsache, ohne dass es jedoch dafür eine offizielle Bestätigung von Seiten des Historischen Archivs gegeben hätte. Seit dem Jahr 2014 konnte das Historische Archiv wieder Nutzungsanfragen zur Sammlung Offenbach positiv beantworten, schätzungsweise 95 % der Sammlung dürften den Einsturz überstanden haben. Im Offenbach-Jahr 2019 können bereits rund 25% der Archivalien aus dem Bestand Offenbach wieder digital oder analog genutzt werden. Unter diesen nutzbaren Archivalien befinden sich sämtliche Briefe sowie zahlreiche Notenmanuskripte. Der Anfang des Wiederaufbaus dieser Sammlung  ist somit gemacht, er wird die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Historischen Archivs aber noch viele Jahre weiter beschäftigen.

Wie zu den letzten Jubiläen der Jahre 1969 und 1980 lag es auch zum 200. Geburtstag Jacques Offenbachs nahe, dass das Historische Archiv der Stadt Köln eine Ausstellung veranstaltet. Dieser Schritt erschien insofern schon als sinnvoll, weil ein großer Teil der originalen Notenmanuskripte bei der letzten Ausstellung im Jahr 1980 noch gar nicht im Historischen Archiv beheimatet war. Schließlich gelangte dieser Teil erst im Jahr 1989 ins Archiv. Und auch danach waren die Archivarinnen und Archivare fleißig dabei, auf Auktionen und bei Antiquariaten nach Offenbachiana Ausschau zu halten, um die Sammlung für die Kölnerinnen und Kölner zu erweitern. Seit über 60 Jahren wird sie nun aufgebaut.

Obwohl Jakob „Jacques“ Offenbach den Großteil seines Lebens in Frankreich verbrachte und dort zur absoluten Weltberühmtheit aufstieg, ist das „Köbesche" für die Stadt Köln ein waschechter Lokalheld. Köln war nicht nur sein Geburtsort, sondern es war auch sein Rückzugsort, der Ort der Familie und der Besinnung und sicherlich auch ein Ort der Inspiration. Ohne die Beziehung Offenbachs zu Köln, hätten sich seine Musik und sein Wesen mit Sicherheit anders entwickelt. Dieser Beziehung ist die folgende Ausstellung „Von Jakob zu Jacques - Der Kölner Offenbach" gewidmet, bei der ich Ihnen viel Vergnügen und eine hoffentlich erkenntnisreiche Entdeckungsreise wünsche.

Ihr

Niclas Esser